yep, an image

vom sinn der malerei (miro, 1939)

es versteht sich von selbst, dass umwelt und zeitgenössische ereignisse den maler unaufhörlich beeinflussen. wenn das drama des schöpferischen menschen nicht offen dargelegt wird, ist das spiel der linien und farben nichts anderes als ein bürgerliches vergnügen. die formen die das der gesellschaft zugehörige einzelwesen ausdrückt, müssen die bewegung einer seele kundgeben, die der gegenwärtigen wirklichkeit entweichen möchte, müssen sich dann einer neuen wirklichkeit nähern und schließlich den anderen menschen eine möglichkeit bieten, sich zu erheben. wieviel schutt ist wegzukehren, um eine bewohnbare welt zu entdecken!

wenn wir nicht danach trachten, das religiöse wesen, den magischen sinn der dinge herauszufinden, werden wir den quellen der verdummung, die den menschen heute zahlreich geboten werden, nur noch neue hinzufügen.

die furchtbare tragödie, die wir durchmachen, kann einige vereinzelte genies aufrütteln und ihnen vermehrte kraft verleihen. wenn sich aber die regressionsmächte, die wir unter dem namen faschismus kennen, noch mehr ausbreiten, wenn sie uns noch etwas weiter in die sackgasse der grausamkeit und der engen beschränktheit treiben, dann ist allerdings die ganze menschliche würde dahin.

andrerseits würde eine revolution, die lediglich auf die bequemlichkeit abzielt, zu demselben mißgeschick führen, in das uns die bourgeoisie getürzt hat. wollte man der masse nur materielle vorteile bieten, so würde man unsere letzte hoffnung, unsere letzten rettungsaussichten vernichten.

es gibt keinen elfenbeinturm mehr. abkehr und abgeschiedenheit sind nicht mehr erlaubt. was jedoch bei einem werk zählt, das sind nicht die dinge, die allzuviele intellektuelle entdecken wollen, sondern entscheidend ist, was es in seiner aufsteigenden bewegung an lebendigen taten, an menschlicher wahrheit nach sich zieht; denn den gestalterischen funden kommen an sich keinerlei bedeutung zu. man darf also die aufträge, die der künstler von den politikern und anderen propagandisten erhält, nicht mit der tiefen notwendigkeit verwechseln, die ihn an den sozialen bewegungen teilnehmen läßt, die ihn und sein werk an fleisch und herz des nächsten bindet und aus dem bedürfnis nach befreiung sein besonderes anliegen macht.